Kapitel 1: Einleitung / 1.1 Was ist eine Programmiersprache? / 1.1.4 Programmiersprachen sind für Menschen gemacht

In einer Programmiersprache geschriebener Code ist eine eigene Textform, so wie ein Gedicht, eine Gebrauchsanweisung oder eine politische Rede. Er dient zunächst einmal einem Zweck, nämlich eine Maschine zu steuern.

Er ist aber auch Kultur, und zwar in folgendem Sinne:

Wenn man sich mit anderen Programmierern austauschen möchte, dann geschieht das oft und gerne in der direkten Begegnung bei einem Becher Kaffee. Nicht selten bezieht man sich dabei auch auf Quellcode: „Schau dir dies mal an, was hältst du davon?“ In diesem Moment wird mit Quellcode also auch zwischen Menschen kommuniziert.

Sei es, dass Sie bei einer Programmieraufgabe nicht weiterkommen und im Internet nachschlagen. Das geschieht beim Programmieren andauernd. Der fremde Code, auf den Sie dann stoßen, enthält wohlmöglich die von Ihnen gesuchte Lösung – nur müssen Sie sie darin auch finden. Und das nach Möglichkeit auch schnell, denn Sie wollen ja nicht schmökern, sondern Ihr Problem lösen.

Dies wird durch Konventionen erleichtert.

Nicht alles, was in einer Sprache möglich ist, sollte man auch tun. Sie könnten zu Ihrem Chef gehen und ihn grundlos mit Wörtern aus der untersten Schublade beleidigen. In der Regel sollten Sie das aber nicht tun.

Sie können in Swift hinter jede Zeile ein Semikolon setzen, so wie es in vielen anderen Sprachen nötig ist. Oder sie können es lassen. Der Swift-Compiler kommt mit beidem zurecht. Sollten Sie es also tun oder nicht?

Die Antwort ist: Sie sollten es tun, falls alle es tun und es lassen, falls alle es lassen. Sie sollten der Konvention entsprechen. Was im normalen Leben den Wiederstandsgeist herausfordert und den Individualisten beschwört, ist bei Programmiersprachen pragmatisch geboten, sonst gehen Sie in der Vielzahl der Möglichkeiten unter.

Es gibt hunderte solcher Konventionen. Einfache und komplexe. Das Wissen darüber erschließt sich im Dialog mit anderen Programmierern und durch das Lesen fremden Codes, also letztlich durch Erfahrung. Ich werde versuchen, wo immer geboten, die Konvention mit zu beschreiben. Die meisten Kurse für Programmiersprachen lassen dieses wichtige Thema leider aus.

Also: Auch wenn es geht, folgen Sie bitte der Konvention und setzen Sie kein Semikolon an das Ende einer Zeile.

Kapitel 1.1.4: Programmiersprachen sind für Menschen gemacht

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