Kapitel 2: Grundlagen / 2.3 Das Semikolon und feste Verdrahtung

Wie in den verschiedenen bisher verwendeten Beispielen unschwer zu sehen, ist es bei Swift nicht nötig, ein Semikolon ans Ende einer Zeile zu setzen.

Gleichwohl ist es möglich. Die folgenden Codezeilen werden von Swift anstandslos verarbeitet:

print("Bitte verwenden Sie das Semikolon ");
println("nur in Ausnahmefällen.");

Wenn Sie sich mit jemandem unterhalten, können sie auch ans Ende eines jeden Satzes „Over.“ setzen. Wenn Ihr Gespräch aber nicht über Funk stattfindet, es also nicht nötig oder vorgeschrieben ist, dann guckt man Sie dabei vermutlich komisch an.

In Swift ist das ähnlich, mit einer sehr seltenen Ausnahme – und auch hier ist das wieder die Lesbarkeit.

Das Semikolon erlaubt es nämlich, mehrere Befehle in eine Zeile zu setzen:

let nameDesSchülers = "Benjamin"; println(nameDesSchülers)

In praktisch allen Fällen ist es sehr schlechter Stil, mehrere Befehle in einer Zeile unterzubringen, es sei denn, es erhöht die Lesbarkeit. Aber wann ist das schon der Fall?

Stellen Sie sich vor, Sie möchten in einem größeren Stück Programmcode feste Daten in eine Datenbank schreiben. Und angenommen jeder Datensatz besteht aus genau drei Datenfeldern. Und weiter angenommen, der Eingabebefehl für ein Datenfeld ist so kurz, dass drei davon prima in eine Zeile passen. Dann können Sie darüber nachdenken, die drei Datenfelder eines Datensatzes in eine Zeile zu schreiben. Dann wäre eine Zeile immer ein Datensatz, der Code also fachlich geordnet und auch nicht zehn Meter lang.

Sie müssen also schon sehr viele Annahmen treffen, damit das Semikolon Sinn macht. Aber dargestellt werden muss es in diesem Kurs dennoch, denn es wird ja auch passieren, dass sie fremden Code lesen – und der ist nicht immer von guter Qualität.

Weil es hier gut hineinpasst, will ich noch etwas anderes erzählen:

Programmierer haben wie alle Professionen eine fachspezifische Umgangssprache. So nennt man Daten, die fest im Code verankert sind „fest verdrahtet“. Mir ist noch kein deutschsprachiger Programmierer untergekommen, der das nicht verstanden hätte. Größere Datenmengen fest zu verdrahten gilt oft also unelegant, in manchen Projekten ist es sogar verboten, einzelne Werte fest zu verdrahten, dort wird dann eine Datenbank eingesetzt, um Daten und Code technisch voneinander zu trennen.

Aber was ist gegen feste Daten im Code einzuwenden?

Zum einen müssen Sie jedesmal die Applikation neu compilieren und ausliefern – zum Beispiel in den App Store stellen oder einem Kunden in der vom Kunden gewünschten Weise übergeben – nur weil sie in einer ansonsten fertigen Applikation einen kleinen Textschnipsel oder einen Zahlenwert geändert haben möchten. Haben Sie einen gewissenhaften Kunden, will der die neue Auslieferung auch testen – wer weiß, was Sie da alles geändert haben – und das kostet Zeit und Geld. Tauschen Sie stattdessen nur eine Textdatei aus oder ändern Sie ein paar Werte in einer Datenbank, bleibt das ausgelieferte Produkt unangetastet.

Zum anderen kann es sehr fummelig werden, feste Daten zu finden, die über die gesamten Code verteilt sind. Stellen Sie sich vor, Sie haben eine größere Applikation geschrieben, die in der Version 1.0 stolz im App Store steht. In Version 1.0 sind alle Text auf Englisch, das macht auch Sinn, nun möchten Sie aber für die Version 1.1 alle Texte auch auf Deutsch haben. Stellen Sie sich die Sucherei vor. Ich möchte wetten, dass Sie ab einer gewissen Projektgröße einzelne Textstellen übersehen.

Grundsätzlich kann man sagen, dass bei kleinen Applikationen fest verdrahtete Werte kein großes Problem darstellen und durchaus verwendet werden können. Wird die Applikation aber größer, dann sollte man darüber nachdenken, die festen Daten alle an einen zentralen Ort auszulagern, dass kann auch eine „Konstantendatei“ sein, also in Code fest verdrahtete Werte, aber eben alle an einer zentralen Stelle.

Von praktischer Bedeutung sind diese Hinweise für Sie jetzt zwar noch nicht, aber eine Orientierung können Sie schon liefern. Und Sie kennen jetzt die Bedeutung von „fest verdahtet“.

A: „Tolle Applikation! Du rechnest hier hinten ja sogar Euro in Dollar um.“
B: „Yep.“
A: „Wo hast du denn den Umrechnungskurs her?“
B: „Den hab ich fest verdrahtet.“
A: „Ach du großer Gott..“

Kapitel 2.3: Das Semikolon und feste Verdrahtung

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